Seminar in Oberursel (Teil 3)

Seminar in Oberursel (Teil 3)

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Ich hoffe, Ihr seid alle gut über die Weihnachtsfeiertage gekommen und nun wünsche ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. 

Da alle guten Dinge drei sind, werde ich in diesem Beitrag über die letzten drei Tage des Seminars berichten.

Mittwoch, 12. Dezember

Am Mittwoch lautete ein großes Thema „Mülltrennung und Müllentsorgung“. In einem von einer anderen FÖJlerin gehaltenen Vortrag lernten wir die verschiedenen Mülltonnen und ihren Inhalt kennen.

Es gibt bereits seit der Entstehung von Städten im Mittelalter die Idee, den Müll zu trennen. Auch haben in der Geschichte die nicht vorhandene Mülltrennung und damit unterschiedliche Materialien mit unterschiedlichen Verrottungszeiten dazu geführt, dass Pest und Cholera sich schnell verbreiten konnten.

In Deutschland gibt es 5 verschiedene Tonnen und den Sonderabfall. Die Farben der einzelnen Tonnen sind nicht für ganz Deutschland einheitlich, sondern es gibt bereits in benachbarten Gemeinden kleine Unterschiede.

Die „Gelbe Tonne“ oder der „Gelbe Sack“ beinhaltet Plastik jeglicher Art; im Vergleich zu früher gehören aber nicht mehr alle Produkte mit dem „grünen Punkt“ in den gelben Sack. Glasflaschen sollten in den öffentlichen Glascontainern entsorgt und da nach den Farben weiß/braun/grün sortiert werden. Zusätzlich zum Sortieren der Flaschen nach Farben ist es wichtig, dass die Flaschen und Behälter ohne Deckel in den Container geworfen werden. In die Papiertonne (in Frankfurt grün, in der Gemeinde meiner Einsatzstelle blau) gehört alles, was Papier ist, außer Kassenbelege (!!!), da diese auf Thermopapier gedruckt sind und aus diesen nicht neues Papier recycelt werden kann. Jeglicher Grünabfall und Essensreste gehören in die Biotonne. Um die Essensreste zu verpacken, sollte man auf keinen Fall Plastiktüten verwenden, sondern lieber Zeitungspapier, da dieses sich schneller zersetzt als Plastik. Alles was nicht genau zugeordnet werden kann, kommt in die Restmüll Tonne. Als letztes sollte der Sondermüll, also zum Beispiel Elektrogeräte und abgelaufene Medikamente, nicht vergessen werden. Dieser Müll kann auf Wertstoffhöfen abgegeben werden.

Würden alle Menschen mit größerer Sorgfalt den Müll trennen, wären Sortiermaschinen innerhalb der Müllheizkraftwerke überflüssig. Das Sortieren von Hand ist weitaus effizienter als per Maschine. Außerdem kann etwa aus bereits einmal verwendetem Papier nochmal Papier hergestellt werden, es müssen also für die Produktion von Papier weniger Rohstoffe verwendet werden. Dies bedeutet auch, dass es eine geringere Umweltbelastung gibt.

Oftmals wird der Müll einfach verbrannt, manchmal kommt es jedoch auch zur Wiederverwertung der einzelnen Stoffe. Beispielsweise kommt der Biomüll in Gärungsanlagen und danach in Biogasanlagen. Das, was dann noch vorhanden ist, kommt in Kompostieranlagen, so dass man letztendlich Humus, Strom und Wärme aus dem Biomüll gewinnt.

Nach dem Vortrag haben wir uns selber auf die Suche nach Müll in der Nähe der Jugendherberge begeben. Erschreckenderweise haben wir relativ viel Müll gefunden, unter anderem auch 15 Flaschen Camping-Gas. Eigentlich gehören diese Flaschen in den Sondermüll. Später am Tag haben wir aus dem gefundenen Müll einen Baum und „FÖJ“ gelegt.

FÖJ – Baum aus Müll der Seminargruppe G

Am Nachmittag haben wir einen Vortrag über Fair Fashion gehört. Dafür haben wir uns zuerst die negativen Aspekte von konventioneller Kleidung angeschaut: Ausbeutung der Angestellten, Verseuchung der Natur durch giftige Stoffe, Behandlung der Kleidung mit giftigen Chemikalien, die in Deutschland nicht erlaubt sind. Zum Glück gibt es einige Kampagnen und Organisationen, die sich für die Arbeiter und die Natur einsetzen. Ihr Ziel ist es, weltweite Standards in die Produktion von Kleidung einzuführen, auf die Nachhaltigkeit der Produkte zu achten und sozialverträgliche Lebens- & Arbeitsbedingungen zu schaffen. Ein paar Namen dieser Organisationen sind Fair Wear FoundationOEKO-TEX 100, Global Organic Textile Standard (GOTS) und Detox-Kampagne von Greenpeace.

Anschließend haben wir uns in einer Diskussion überlegt, warum Menschen so wenig fair hergestellte Kleidung kaufen. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Mensch an sich selbstsüchtig ist. Jegliche Produktionsschritte rutschen in den Hintergrund, solange man selbst gut aussieht, und es einem selber gut geht. Man könnte dafür den Namen Verdrängungsgesellschaft verwenden. Außerdem werden wir in unserer Gesellschaft mit anderen Angeboten überhäuft. Dabei wäre fair hergestellte Kleidung gar nicht so viel teurer als konventionelle Kleidung.

Am Mittwoch haben wir auch einen Kurzvortrag über Mikroplastik gehört und anschließend den Film „Plastic Planet“ geschaut.

Donnerstag, 13. Dezember

Am Donnerstag haben wir eine Supermarktrallye gemacht. Dafür haben wir uns in Kleingruppen aufgeteilt. Jede Gruppe ist mit einem Zettel voller Fragen in einen Supermarkt gefahren. Bei den Fragen ging es darum, wie teuer Bio-Lebensmittel im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln sind, und ob es in ihrem Aussehen und Geruch Unterschiede gibt. Eine weitere Frage beschäftigte sich mit den Ursprungsländern von Obst und Gemüse in unseren Läden. Auch wurde nach fair-gehandelten Produkten und Bio-Produkten gefragt. Sehr spannend waren auch die Frage nach einem Vergleich von Kartoffel-Sorten und Kartoffelchips-Sorten und die Frage, welches Produkt unserer Meinung nach am unnötigsten verpackt sei.

Als die Gruppen wieder zusammen getroffen sind und ihre Ergebnisse präsentiert haben, konnte man deutlich erkennen, für welchen Laden das Angebot von Bio-Produkten eher wichtig bzw. unwichtig ist. Lidl und Rewe haben ein nicht so großes Bio-Angebot im Vergleich zu Tegut und Reformhaus, die beide größeren Wert auf Bio- Produkte legen.

Am Nachmittag des gleichen Tages haben wir uns in Gruppen zusammengesetzt, um die folgenden Seminare zu planen. Da Donnerstag auch der letzte gemeinsame Abend war, haben wir zusammen leckere Plätzchen gebacken.

Freitag, 14. Dezember

Am Freitag haben wir uns auf den Weg zum Müllheizkraftwerk in Frankfurt-Heddernheim gemacht. Dort hatten wir eine Führung gebucht. Der Leiter der Führung hat uns erst anhand eines Schemas erklärt, was im MHKW mit dem Restmüll aus ganz Frankfurt und Umgebung passiert. Der Müll wird in diesem Kraftwerk nicht nochmal sortiert, sondern direkt verbrannt. Die Müllautos laden den Müll direkt in eine große Müllgrube ab, wo zwei Kräne den Müll auf die vier Aufgabetrichter verteilen. Von dort fällt der Müll auf ein Verbrennungsrost und verbrennt, zurück bleibt die Schlacke. Die heißen Dämpfe werden in mehreren Schritten gesäubert, gleichzeitig dienen sie bis zu ihrem Ausstoß in die Atmosphäre als Erwärmer von Wasser.

Schema des MHKWs

Anschließend sind wir an den einzelnen Stationen im Müllheizkraftwerk vorbeigelaufen, was sehr spannend war! Leider durften wir keine Fotos machen.

Bis zum nächsten Jahr ! Und neuen Abenteuern.


Der Originalbeitrag erschien bei Claras FÖJ auf dem Rathsbacher Hof

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